Erster Einsatz beim Werderspiel
Konfliktmanager sollen Randale verhindern
Begleiter vermitteln zwischen Gästefans und Polizei
Die Stimmung war euphorisch und aufgeheizt, als sich am 5. April 2009 gut zwei Stunden vor dem Spiel fast 1.000 Anhänger von Hannover 96 auf dem Bahnhofsvorplatz versammelten. Bambule machen und Bremen aufmischen bei einem gemeinsamen Zug zum Weser-Stadion, diese Parole hatten einige vorher im Internet verbreitet. Vorneweg liefen die so genannten Ultras, der harte Kern, und die hatten nicht nur Fahnen und Transparente, sondern auch ein beträchtliches Arsenal an Feuerwerkskörpern mitgebracht.
Schon am Bahnhof wurden bengalische Feuer entzündet, flogen Böller und Leuchtraketen in Richtung der Polizei, die mit martialisch gepanzerten Anzügen und Helmen den Fans gegenübertrat. Zwischen den Uniformierten und den Fans aber stand eine dritte Gruppe, Beamte in Uniform, die sich leuchtend rote Westen übergezogen haben. Einer der so genanten Konfliktmanager ist Dietrich Münster. Auch für ihn ist es der erste Testlauf für die neue Form der Polizeiarbeit. Die Konfliktmanager, so formuliert er es, sollen auf die Fußballfans zugehen und deeskalieren statt den Schlagstock zu ziehen. Durch Einzelgespräche und Blickkontakt versuchen sie eine persönliche Beziehung mit den Fans aufzubauen. Münster sieht sich und sein Kollegen dabei als "Hobbypsychologen".
Die Konfliktmanager der Polizei tragen auffällige, rote Westen
Alle zwölf Konfliktmanager sind selbst Verhaltenstrainer für Einsatzkräfte. Ihre Aufgabe ist alles andere als einfach, betrachten viele der Fans die Polizei doch als Feind. Doch auch die Uniformierten verhalten sich nicht gerade zimperlich. Als einer der Hannoveraner Fans in einen Park abzweigen will, um seine Blase zu erleichtern, wird er zurück in den Pulk gestoßen. Es ist diese Ruppigkeit, die bei einzelnen auch übertrieben ist und Aggression noch schürt, sagt einer Konfliktmanager hinter vor gehaltener Hand Auch einige der so genannten Fans machen ihren Aggressionen Luft. Außenspiegel und Scheibenwischer von Autos werden abgebrochen, Lacke mit klebriger Flüssigkeit besprüht. Mit dem Vertreter der verhassten Presse will niemand offen sprechen.
Vor dem Bremer Weser-Stadion zeigt einer der Polizeihunde, dass er nicht nur bellen und Knurren kann. Als ein Fan zu nahe an ihm vorbeigeht, schnappt er ohne lange zu fackeln nach dessen Hand. Der Fan jault auf, an seiner Hand blutet eine kleine Wunde. Seine Kumpels können den Angetrunkenen nur mit Mühe daran hindern, auf die Polizisten loszugehen. Im Stadion wurden die Fans aus Hannover mit jedem Tor der Bremer ruhiger. Der glatte 4:1 Sieg von Werder kühlte die Stimmung deutlich ab. Nun sangen vor allem die Werder-Fans.
War der Versuch, mit Konfliktmanagern zu vermitteln erfolgreich? Wir müssen das jetzt sehr genau analysieren, sagte der Bremer Polizeisprecher Dirk Siemering. Er sagt: "Mitläufer in den Fan-Gruppierungen lassen sich lenken und sind ansprechbar, aber der harte Kern offenbar noch nicht so." Der Fan-Beauftragte von 96, Frank Watermann, äußerte sich kritischer. Klar, das Modell sei gut, aber die Konfliktmanager müssten noch deutlich zwischen Fans und Uniformierten vermitteln. Die Erfahrungen in Hannover haben gezeigt, dass deren Einsatz äußerst sinnvoll sein kann. Es käme aber auf die örtlichen Begebenheiten an, die in Hannover großzügiger seien als in Bremen, erläutert Watermann.
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