Die für heute geplante Regionalligapartie der A-Junioren von Kickers Emden gegen das Team des VfB Oldenburg fällt aus. Hintergrund: Die Polizei hatte die Verlegung des Spiels vom Rot-Weiß-Platz in Conrebbersweg in das Kickers-Stadion gestern Vormittag kurzfristig gefordert, weil sich offenbar mehr als 100 gewaltbereite Chaoten angekündigt hatten. Im Stadion ist ein Spiel aufgrund der schlechten Platzverhältnisse aber nicht möglich. Jetzt ist das Spiel ganz abgesagt worden. Die Absage ist ein Novum im Jugendfußballbereich in dieser Region.
„Auf dem Rot-Weiß-Platz hätten wir sowohl die Spieler als auch die Anwohner des Stadtteils nicht schützen können”, sagte Reinhold Decker, der seit drei Jahren Koordinator für Fußball und Sachbearbeiter in der Gefahrenabwehr im Polizeikommissariat Emden ist. Er bestätigte gegenüber der Emder Zeitung die Anzahl von Chaoten, die zum Emder Jugendfußballspiel kommen wollten. Nach seinen Ermittlungen haben sich aus Oldenburg zwischen 30 und 50 gewaltbereite Fußballanhänger angekündigt, etwa die gleiche Anzahl soll aus Emden kommen sowie weitere 20 Randalierer aus Meppen.
„Im Kickers-Stadion hätten wir die verschiedenen Gruppen einfacher trennen können”, sagte Decker. „Die Oldenburger hätten wir von ihrem Bus aus direkt in den Gästeblock begleiten und von dort aus wieder nach Hause schicken können.”
Nach diesem Szenario hätte das Polizeiaufgebot aber auch ein Ausmaß angenommen, wie es in Emden aus Drittliga-Zeiten bekannt ist. Entsprechend teuer wäre dieses Jugendspiel dem Steuerzahler gekommen. Doch letztlich hat jetzt nicht der finanzielle Aufwand zur Absage geführt, sondern die schlechten Platzverhältnisse im Embdena-Stadion nach den vergangenen Regentagen.
Der witterungsbedingte Umstand stimmt den Trainer der A-Junioren, Uwe Groothuis, allerdings weniger wütend als die Tatsache, dass überhaupt nach einem Alternativstandort gesucht werden musste. „Es ist eine Katastrophe, dass das jetzt soweit geht, dass ein Jugendspiel abgesagt werden muss”, sagte Groothuis. „Und das muss ich jetzt meinen Jungs erklären, die sich so auf das Spiel gefreut hatten!”
Hintergrund dieser ersten Kampfansage gewaltbereiter Fans im Jugendfußball ist nach Einschätzung der Polizei ein Herren-Fußballspiel in der Oberliga. Vor zwei Wochen hatte es Ausschreitungen in der Partie Eintracht Nordhorn gegen den BSV Kickers Emden gegeben. Im Anschluss waren Stadionverbote gegenüber rund 15 Fans ausgesprochen worden (wir berichteten). Diese würden laut Decker nun das Stadionverbot umgehen wollen, in dem sie auf Fußballspiele auf dem einfachen Vereinsplatz ausweichen. Dieses Verhalten sei bislang bekannt in den unteren Klassen der Herren, im Osten Deutschlands auch mit Begleitschutz der Polizei bis in die sechste, siebte Liga.
Dass es jetzt aber ein Jugendspiel in dieser Region trifft, liegt unter anderem auch an der brisanten Paarung. Die Kickers A-Junioren hatten die Junioren des VfB Oldenburg erwartet. Die gleiche Paarung in umgekehrter Reihenfolge steht am Sonntag für die ersten Herren von Kickers in der Oberliga auf dem Spielplan.
Hinzu kommt, dass die A-Junioren des BSV Kickers Emden nicht in irgendeiner Liga spielen, sondern in der Regionalliga. Hier ist der Einzugsbereich – und damit der traurige „Werbewirkungsgrad” für die Chaoten – groß. Die Regionalliga wird vom Norddeutschen Fußballverband betreut, in der neben den Emdern und Oldenburgern auch Mannschaften aus Schleswig-Holstein und Hamburg spielen.
Mit derartigen Sachlagen bei Fußballspielen hatte die Emder Polizei bislang hauptsächlich in Zeiten zu tun, als die ersten Herren des BSV noch in der Dritten Liga spielten. „Da hatten wir die Probleme aber hauptsächlich mit auswärtigen Fans”, erklärte Decker von der Emder Polizei. „Jetzt ist es auch hier so. Ich hoffe aber, dass es ein Ausnahmefall bleibt.”
Besonders problematisch an der Einschätzung der Situation seitens der Polizei sei jedoch, dass man insbesondere die gewaltbereiten Fußball-Fans nicht zu fassen bekäme. „Es geht hier nicht um Fans, die bei Kickers in den verschiedenen Fan-Gruppierungen organisiert sind”, sagte Decker. Mit diesen Gruppen stünde die Polizei im konstruktiven Gespräch. „Es sind die Problemfans, die sich nicht in die Karten schauen lassen. Und die sind nicht organisiert.”
Wann das Spiel der A-Junioren von Kickers gegen die des VfB Oldenburg nachgeholt wird, steht noch nicht fest. Die vorrangige Frage dürfte aber sein, wo das Spiel dann stattfinden soll und unter welchen Schutzmaßnahmen.
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