Das Landesliga-Spitzenspiel zwischen dem FC 05 Schweinfurt und der TG Höchberg war längst abgepfiffen. Am Zaun, drüben auf der Gegengeraden diskutierten einige 05-Spieler noch ihren dürftigen Auftritt mit den Fans. 20, 30 Meter weiter rechts, Richtung Marathontor feierten die Höchberger Kicker ihren 3:1-Sieg. Eine Handvoll Zuschauer, deren Erscheinungsbild sie nach außen hin nicht als Sympathisanten der TGH auswies, kam an den Zaun, beglückwünschte die Mannschaft. Das war offenbar Anlass genug für einige sogenannte Schweinfurter Fans, herbei zu eilen, Gäste-Spieler anzupöbeln, mit einem Schirm nach ihnen zu schlagen. Eine Höchberger Zuschauerin wollte schlichten, es wurde versucht, ihr gewaltsam den Schirm zu entreißen. Erst das Einschreiten des 05-Spielers Sebastian Kress beruhigte die Szene.
Da stellt sich die Frage, warum kein Ordnungsdienst zur Stelle war. FC-05-Ordnungsdienstleiter Detlev Kuhn weist darauf hin, dass sein Personal wie üblich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr im Stadion-Innenraum weilte. Er selbst hatte vom Haupttribünen-Vorplatz aus die Höchberger Spieler lautstark aufgefordert, „weg von unseren Fans“ zu gehen. Diese passive Form der Ordnungswahrung rechtfertigte er am Montag gegenüber dieser Zeitung: „Wir hatten alle Höchberger Zuschauer aufgefordert, in den Gästeblock zu gehen. Sie wollten ja nicht. Ein Gast muss der Aufforderung des Vereins folgen, sonst ist er selbst schuld. Auf der Gegengerade befindet sich nun mal der Abmarschweg unserer Fans. Da kann es sein, dass es zu Konflikten kommt. Und warum müssen die Höchberger Spieler da drüben feiern. Hätten sie vorm Gästeblock gefeiert, wäre nix passiert. In der Bundesliga kann ich mich auch nicht hinsetzen, wo ich will.“
„Jeder Gast gehört geschützt“
Rudolf Löhnert, stellvertretender Vorsitzende des FC 05 Schweinfurt
Kurzum: Schuld seien die Höchberger alleine gewesen. Dass sie gar nicht als Gäste-Fans erkennbar gewesen seien, spiele keine Rolle, so Kuhn: „Es waren gerade zivil gekleidete Fans anderer Mannschaften, mit denen wir im Stadion Probleme hatten.“ Kuhn lebt dabei offenbar noch in der Zeit, als Hooligans großer Klubs wie Erfurt, Mannheim oder Frankfurt in Schweinfurt eingefallen waren. Beinahe wie Hooligans behandelt wurde eine weitere Handvoll TG-Anhänger, übrigens Spieler der dritten Mannschaft. Sie wurden während der Partie vom Sicherheitspersonal in den Gäste-„Käfig“, einen besonders gesicherten Bereich in der Kurve, geleitet.
Rudolf Löhnert, stellvertretender Vorsitzender des FC 05, reagierte entsetzt über den Vorfall und die Reaktionen seines Ordnungsdienstleiters: „Das kann man nicht so stehen lassen, das ist nicht unsere Linie. Jeder Gast gehört geschützt! Darüber werden wir sprechen.“ Für die Zukunft kündigte Löhnert Veränderungen an. So werden Mitglieder des Ordnungs- oder Sicherheitsdienstes im Bereich der Gegengerade bleiben, bis der letzte 05-Fan das Stadion verlassen hat.
Außerdem werden keine Mitglieder des harten Anhänger-Kerns Zugang zur Haupttribüne mehr erhalten. Gegen Höchberg war eine größere Gruppe unter dem Dach gestanden. „Das war ein Versuch, der sich aus dem Fan-Stammtisch ergeben hatte. Es sollte der Stimmung dienen“, so Löhnert. Nach dem Spiel gegen Höchberg waren aber auch diese Fans aufgefallen, hatten Bierbecher nach dem gerade interviewten TG-Stürmer Pascal Bloemer geworfen und einen Medienvertreter getroffen.
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