Druck auf gewaltbereite Fans
Ermittlungen zu Ausschreitungen nach HFC-Spielen – Großteil der Verdächtigen identifiziert
Nach einer in Sachsen-Anhalt einzigarten Fahndung wegen Fangewalt beim Fußball hat Halles Polizei inzwischen elf von 14 Verdächtigen identifiziert, deren Fotos vor zehn Tagen veröffentlicht worden waren. Zu zwei weiteren lägen konkrete Hinweise vor, teilte die Polizei am Freitag bei einem Treffen mit Innenstaatssekretär Rüdiger Erben in Halle mit.
Angriff mit Kanthölzern
Den Männern aus der Fanszene des Halleschen FC wird eine aktive Beteiligung an der Randale nach dem Spiel gegen den VFC Plauen im Juni 2009 vorgeworfen. Damals hatten rund 150 Fans den Gästeblock gestürmt und ihre Aggression dann gegen Polizisten gerichtet. 18Beamte – teils mit massiven Kanthölzern angegriffen – wurden verletzt. Wie der Leiter der zehnköpfigen "Ermittlungsgruppe Fußball" sagte, sind bislang insgesamt 58 mutmaßliche Täter identifiziert, 52 noch unbekannt. Ob es bereits Anklagen gibt, blieb gestern offen.
Erben verteidigte die Öffentlichkeitsfahndung. "Sie hat sich als sehr wirksames Mittel erwiesen", sagte er. Vier Verdächtige hätten sich selbst gestellt – vor allem auf Druck aus ihrem familiären Umfeld hin. Laut Erben liegen die Hürden für eine öffentliche Fahndung sehr hoch. "Ich wünsche mir selbst, die Möglichkeiten würden etwas weiter gehen", sagte er. Die Fahndung per Medien muss derzeit richterlich genehmigt werden. Sie ist nicht bei jedem Delikt möglich und erst, wenn alle anderen Ermittlungsmethoden ausgeschöpft sind.
Sowohl bei den Ausschreitungen nach dem Spiel gegen Plauen als auch im September 2009 nach dem Derby gegen den 1. FC Magdeburg waren Polizisten angegriffen worden. "Hier geht es auch um die Frage, wie weit sich die Gesellschaft auf der Nase herumtanzen lässt", so Erben. Die Ermittlungen würden nicht eher eingestellt, "bis wir den letzten identifiziert haben". Das gelte auch für den Angriff nach dem Spiel gegen Magdeburg, bei dem 16 Beamte verletzt wurden. 27 Verdächtige sind ermittelt, 30 werden noch gesucht. Die Polizei betonte, dass die Beamten gezielt attackiert wurden – im Umfeld des Stadions waren dafür Wurfgeschosse und Pfefferspray deponiert. Zuletzt hatte Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad einen Hinterhalt verneint. Wie Polizeipräsident Walter Schumann nun erklärte, hätte dies bedeutet, dass die Beamten völlig unvorbereitet gewesen wären. "Dort waren sie aber im Einsatz, da rechnet man mit Gewalttaten." Dennoch sei es ein geplanter Angriff gewesen.
Signal auch an Beamte
Ein Großteil der ermittelten Verdächtigen stammt laut Polizei aus Halle und dem Saalekreis, weitere aus Leipzig und Nordhausen. Acht Männer sind bei beiden Ausschreitungen aufgefallen. Die Polizei schloss weitere öffentliche Fahndungen nicht aus, 26 Anträge gibt es bereits. "Es ist wichtig, ein Signal zu setzen", so Schumann. An die Beamten, die ihren Kopf hinhalten und nicht das Gefühl haben sollen, niemand würde zur Rechenschaft gezogen. Vor allem aber an die Fans. "Wir brauchen Druck auf die gewaltbereite Szene", so Erben.
Skeptisch äußerte sich der Staatssekretär zur Frage, ob sich das Gewaltproblem durch einen neuen Verein lösen lässt (siehe "Neuer Verein …"). "Das heißt aber nicht, dass ich nicht hoffe, dass er Erfolg hat", sagte Erben.
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