Fußball-Fans gewaltbereit
Verband regt spezielles Förderprojekt an – Polizei rechtfertigt ihre Strategie
Knapp 100 Hooligans haben sich am Freitag nach dem Fußballspiel heftige Attacken mit der Polizei geliefert. Die verteidigt ihre Strategie.
Das Pokalspiel des Württembergischen Fußballverbands (WFV) am Freitagabend im Ulmer Donaustadion hatte es in sich. Auf dem Rasen, vor allem aber auf den Rängen und nach dem Abpfiff im Stadtgebiet. Schon während des Spiels, das die Ulmer mit 1:3 gegen den Erzrivalen aus Heidenheim verloren haben (wir berichteten), musste die Polizei immer wieder eingreifen, weil Böller abgefeuert und bengalische Feuer entzündet wurden. Minutenlang war das Spiel unterbrochen worden, richtig los ging die Randale aber erst nach dem Abpfiff.
So genannte Fans aus dem Ulmer Block sind auf die Heidenheimer zugestürmt und haben diese provoziert. Die Polizei stand dazwischen und musste Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzen, um die wütende Menge auseinanderzuhalten. Die Ulmer Fans setzten aber auch nach, als die auswärtigen Gäste in Bussen zum Hauptbahnhof gefahren wurden, von wo aus sie mit dem Zug die Heimreise antreten sollten. Vor dem Bahnhofsgebäude kam es ebenfalls zu gefährlichen Situationen, deren Eskalation nur durch den Einsatz zusätzlich angeforderter Kräfte der Bereitschaftspolizei verhindert werden konnte. Nüchterne Bilanz: ein verletzter Polizeibeamter und drei zeitlich begrenzte Festnahmen von Hooligans. Behördensprecher Wolfgang Jürgens verteidigt die Strategie, es seien genug Kräfte im Einsatz gewesen.
Eine Einschätzung, die der Sicherheitsbeauftragte des Württembergischen Fußballverbands (WFV), Michael Hurler, nicht ganz teilt. Ohne die Polizei offen zu kritisieren, sagte er, dass "mehr Polizei gut gewesen wäre". Immerhin bestünde bei Fußballspielen zwischen Ulm und Heidenheim eine seit Jahren tief gehende Feindschaft, mit deren Ausbruch immer zu rechnen sei. Vor allem hat Hurler den Verein selber im Blick: "Ist sich der überhaupt bewusst, was er für Fans im Schlepptau hat?" fragte er, und spricht von einer latenten Gewaltbereitschaft insbesondere bei den Ulmer Fans.
Die Polizei rechnet den betreffenden Personenkreis der politisch rechten Szene zu. "Das sind Rechte aus der Region", sagt Behördensprecher Jürgens, der aber fest davon ausgeht, dass sie alle ermittelt und angeklagt werden können. "Wir haben Videoaufnahmen gemacht und können sie identifizieren."
Vorstand und Geschäftsführer des SSV Fußball weilten gestern im Urlaub. Fan-Beauftragter Udo Mayer distanzierte sich von den Randalierern: "Der Verein nimmt Abstand von diesen Personen." Mayer erinnert an einen Vorschlag des Deutschen Fußballbundes (DFB), in Ulm ein spezielles Fanprojekt anzustoßen. Das Problem seien die Kosten und die Frage, wer die Trägerschaft übernehme.
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