Unter den Anhängern der baden-württembergischen Fußballvereine stuft die Polizei 1260 Personen als Problemfans ein. Allein 420 davon gehören zur Anhängerschaft des Viertligisten SV Waldhof Mannheim. Nach einer Aufstellung von Innenminister Heribert Rech (CDU) sind es in Stuttgart 290, in Karlsruhe 235. Im Dunstkreis des Erstligisten SC Freiburg gelten nur 85 Anhänger als gewaltbereit.
Der FDP-Abgeordnete Hagen Kluck beklagt, dass "Sportveranstaltungen immer öfter durch Gewaltereignisse überschattet werden". Allein in der letzten Saison wurden im Zusammenhang mit Fußballspielen von der ersten bis zu den vierten Ligen in Baden-Württemberg 524 Straftaten registriert. Besondere Probleme bereiten die 460 Fans, die auf Randale aus sind und von den Beamten als "gewaltsuchend" bezeichnen werden.
Kluck sieht Fanprojekte, die unabhängig von den Vereinen arbeiten, als besonders erfolgversprechende Vorbeugung. Die Städte Mannheim und Ludwigshafen betreiben ein solches Projekt gemeinsam. Zwei Mitarbeiter kümmern sich um die jungen Leute, bieten Hilfe bei Ärger mit der Polizei und organisieren Freizeitangebote. Rund 70-€ˆ000 Euro lässt sich die Stadt Mannheim diese besondere Form der Sozialarbeit jährlich kosten.
Ein vergleichbares Projekt kennen Rechs Beamte nur noch in Karlsruhe. Fehlanzeige herrscht dagegen im Umfeld der drei Erstligisten Hoffenheim, Stuttgart und Freiburg. "In Stuttgart ist ein solches Projekt dringend", fordert Kluck. Er verweist darauf, dass im Landeshaushalt 180 000 Euro bereitstehen.
Die Kosten für die Polizeieinsätze bei Fußballspielen sind in den letzten Jahren massiv gestiegen. In der Saison 2008/09 fielen fast 140 000 Einsatzstunden an, eine Zunahme um 46 Prozent binnen Jahresfrist. Allein die Personalkosten rechnet das Innenministerium auf 6,1 Millionen Euro hoch. Der starke Anstieg zuletzt resultiert zum Teil aus der Einführung der 3. Liga.
In Baden-Württemberg beschäftigen sich derzeit 94 szenekundige Polizisten mit den Problemfans. Sieben davon machen dies hauptamtlich. Zu den Aufgaben zählen die Aufklärung von Straftaten und Projekte der Gewaltvorbeugung. An dieser Stelle will FDP-Mann Kluck die Vereine stärker in die Pflicht nehmen. Die gewaltbereiten Fans würden die Zusammenarbeit mit der Polizei ablehnen. Kluck: "Trainer oder Spieler finden da eher Gehör."
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