Fans gehen mit Anwalt gegen Berliner Polizei vor
Die Fußball-Anhänger beklagen eine unverhältnismäßige Attacke der Ordnungskräfte
Für die Fans ist das Maß voll. Die Anhänger des Fußball-Regionalligisten Hallescher FC fühlen sich unschuldig verprügelt. Sie sind fest entschlossen, sich mit Hilfe von Rechtsanwälten gegen die Berliner Polizei zur Wehr zu setzen. Mitwochabend gibt es im Fanhaus eine Zusammenkunft, auf der die Vorfälle nach dem Spiel am Sonntag bei Türkiyemspor Berlin aufgearbeitet werden sollen. “Wir werden diesen Polizei-Einsatz nicht auf sich beruhen lassen und alle Rechtsmittel prüfen, um dagegen vorzugehen”, sagt Steffen Kluge vom Fanprojekt Halle.
Was war aus Sicht der Fans passiert? Nach dem Abpfiff der Partie im Berliner Jahnsportpark feierten rund 300 HFC-Fans noch 20 Minuten ihre Mannschaft, ehe sie das Stadion verließen. Ein Großteil von ihnen war mit eigenen Autos angereist. Etwa 120 hatten den Zug gewählt. Als die halleschen Anhänger aus dem Stadion kamen, wurden sie auf dem Vorplatz von einem etwa 200 Mann starken Polizeiaufgebot erwartet. Die Ordnungskräfte waren offensichtlich nicht darüber im Bilde, dass nicht alle HFC-Fans mit der Bahn angereist waren. Sie versperrten den Weg zu den Pkw-Parkplätzen und wollten die gesamte Gruppe in Richtung Hauptbahnhof geleiten. Mehrere unabhängige Quellen bestätigten Sonntag der MZ, dass es daraufhin zu
Diskussionen kam, aus denen heftige Wortgefechte wurden. Irgendwann folgten erste Rangeleien, ehe die Polizei Schlagstöcke einsetzte. “Ich musste mich sogar selbst schützen. Es war kein Reden mehr mit den Beamten. Ein Fan musste mit Verdacht auf Rippenbrüche ins Krankenhaus gebracht werden”, erzählt Kluge. Nach seiner Aussage wurden neun HFC-Anhänger vorläufig festgenommen.
Nach dem Feststellen ihrer Personalien konnten sechs von ihnen noch planmäßig und die anderen drei mit mehrstündiger Verspätung die Heimreise antreten. “Bei uns sind elf Personalmaßnahmen registriert. Gegen diese Fans werden Strafanzeigen wegen Körperverletzung, versuchter Körperverletzung sowie Widerstand gegen Vollzugsbeamte gestellt”, erklärt Guido Busch von der Pressestelle der Berliner Polizei. Mehr sei nicht vorgefallen. “Die Lage wurde mit einem konsequenten Polizeieinsatz schnell beruhigt”, zitiert Busch aus dem Einsatz-Protokoll.
Der Einsatz war offensichtlich so nebensächlich, dass er es nicht einmal bis auf die Internetseite der Polizei Berlin schaffte. Dort wird normalerweise jeder gefasste Graffiti-Sprayer vermeldet. Die Tatsache, dass sich die halleschen Fans mit Hilfe von Anwälten gegen den aus ihrer Sicht völlig überzogenen Polizieieinsatz wehren wollen, nahm Busch emotionslos hin. “Es steht jedem Bürger frei, einen Rechtsanwalt zu konsultieren. Aber darüber habe ich nicht mehr zu befinden”, so Busch.
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