Die Konsequenzen gegen angebliche Fußball-Fans haben eine neue Dimension erreicht. Vor dem heutigen Spiel des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel gegen die zweite Mannschaft der Spielvereinigung Unterhaching hat der gastgebende Verein so viele Stadionverbote wie noch nie ausgesprochen. Das hat KSV-Vorstandsmitglied und Sicherheitsbeauftragter Carsten Bätzold auf Anfrage bestätigt. Zwölf Anhänger der Löwen haben ein Einschreiben bekommen, das ihnen den Zugang zu allen Stadien in Deutschland bis 2011 verbietet.
Anlass für diese drastische Maßnahme sind die Vorfälle rund um die Partie der Löwen gegen Darmstadt am 26. März im Auestadion. Damals war es am Rande der Begegnung zu zahlreichen Straftaten gekommen. So wurde der Gästebus aus Südhessen mit Feuerwerkskörpern beworfen. Ein Strafverfahren ist eingeleitet. Dem Vernehmen nach soll die Polizei gegen elf der zwölf Männer im Alter bis 35 Jahren auch wegen dieses Angriffs ermitteln.
Ihnen wird unter anderem Landfriedensbruch und versuchte gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.
Bei den Verdächtigen soll es sich um Mitglieder der Ultras handeln. Das ist eine Fangruppe, der in Kassel bis zu 130 Männer angehören, die sich schwarz kleiden und vermummen – und denen es nicht ausschließlich um das Fußballspiel geht. Diese Gruppe existiert seit annähernd zwei Jahren und stellt für die Sicherheitskräfte zunehmend ein Problem dar, wie Experten erklären. Allerdings machen sie auch klar, dass es sich bei den Ultras gerade nicht um Hooligans handelt, denen es ausschließlich auf Gewalt ankommt.
Die Ultras bereiten vor allem dann Schwierigkeiten, wenn sie alkoholisiert sind. Schon beim Auswärtsspiel des KSV in Ulm im Herbst vergangenes Jahr hatte es Randale gegeben.
Nun dürfen zwölf aus dieser Gruppe kein Stadion in Deutschland mehr betreten. Sollten sie trotzdem heute ins Auestadion gelangen, müssen sie mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs rechnen. Die Höchststrafe dafür beträgt ein Jahr Gefängnis. Allerdings achten die Ordner schon beim Einlass darauf, dass die Betroffenen draußen bleiben. Laut Bätzold sind die Gesichter bekannt.
Dass der Verein nun Stadionverbote ausgesprochen hat, ist zwingend. In einem Vertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund verpflichtet er sich wie jeder andere Verein in den ersten vier Ligen, diese Sanktion zu verhängen, sobald gegen Anhänger auch nur ermittelt wird. Die Schuld muss nicht bewiesen sein.
Diese Vorgehensweise ist umstritten. Bätzold hält die Stadionverbote nicht immer für das geeignete Mittel, mit schwierigen Anhängern umzugehen. Er fordert: "Wir brauchen dringend ein hauptamtliches Fanprojekt." In Kassel gibt es das noch nicht – im Gegensatz zu vielen anderen Städten.
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